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Geschichte

Die Gründungsversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts (SGEAJ) fand am 15. November 1991 im Haus zum oberen Schönenberg, dem ehemaligen Wohnhaus Johann Jakob Bodmers (1698 - 1783), in Zürich statt.


J.J. Bodmers Wohnhaus "Zum oberen Schönenberg" in Zürich.
Radierung von J.J. Meyer, Mitte 18. Jh.


Die Initiative zur Gründung der Gesellschaft hatte Helmut Holzhey, damals Professor für Philosophie an der Universität Zürich, ergriffen. Er wurde auch zu ihrem ersten Präsidenten gewählt. Zusammen mit Ulrich Im Hof, dem inzwischen verstorbenen Doyen der Deutschschweizer Dix-huitiémistes, sorgte er für den Aufbau der internen Strukturen sowie die institutionelle Verankerung der Gesellschaft in der nationalen und internationalen Forschungslandschaft.

Die erste Nummer des seither halbjährlich erscheinenden Bulletin datiert vom August 1992. Anfangs zeichnete Simone Zurbuchen, die erste Aktuarin der Gesellschaft, zusammen mit dem Präsidenten für die Redaktion verantwortlich. Seit 1996 besteht eine Redaktionskommission, der neben dem Sekretär oder der Sekretärin zwei bis drei weitere Mitglieder der Gesellschaft aus der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz angehören. An der Generalversammlung vom 29. Juli 1995 in Münster wurde die Gesellschaft in die International Society for Eighteenth-Century Studies (ISECS) aufgenommen. 1998 richtete die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) eine Kommission für die Erforschung des 18. Jahrhunderts und der Aufklärung in der Schweiz ein, die in ständiger Zusammenarbeit mit der SGEAJ das interdisziplinäre Studium dieser Epoche im Rahmen von Kolloquien und wissenschaftlichen Publikationen fördert.

In der Amtszeit des Gründungspräsidenten (1991-1996) fand eine erste grössere Tagung zum Thema „Gesundheit und Krankheit im 18. Jahrhundert“ (1.-2. Oktober 1993, Bern) statt, die von Urs Boschung, dem Leiter des Berner Haller-Projekts, organisiert wurde. Vom 25.-28. Mai 1994 führte Helmut Holzhey zusammen mit Martin Fontius, damals Präsident der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts, die internationale Fachtagung „Schweizer im Berlin des 18. Jahrhunderts“ durch. Gemeinsam mit Simone Zurbuchen zeichnete er für die Tagung „Zürich im 18. Jahrhundert: Aussen- und Innenperspektiven“ verantwortlich, die vom 14.-16. Dezember 1995 in Zürich stattfand. Das von der SAGW unterstützte interdisziplinäre Projekt „Die Schweiz des 18. Jahrhunderts und die Genese der Moderne“, das die Gesellschaft 1992 als nationales Schwerpunktprogramm einreichte, wurde zwar nicht bewilligt; es spielte jedoch für die weiteren Projekte, die unter dem Präsidium von Etienne Hofmann in Zusammenarbeit mit dem Center for 17th and 18th-Century Studies an der University of California, Los Angeles, entwickelt wurden, eine wegweisende Rolle.

Neben einer Reihe kleinerer Veranstaltungen umfasste dieses Projekt zwei grössere Tagungen: Die erste fand vom 27. Februar bis 2. März 1997 in Los Angeles statt, die zweite vom 7. bis 11. September 1998 auf dem Monte Verità in Ascona. Die Akten dieser Tagungen wurden als Band 1 und 2 der neu gegründeten Reihe Travaux sur la Suisse des Lumières publiziert, die beim Verlag Slatkine in Genf erscheint. Bereits 1992 hatte die Gesellschaft eine erste Tagung zur Encyclopédie d’Yverdon und ihrem Herausgeber F.-B. de Félice durchgeführt. Die Erforschung dieser Enzyklopädie wurde seither unter der Leitung von Etienne Hofmann, Professor an der Universität Lausanne, und Alain Cernuschi, die von 1996-2001 als Präsident bzw. Aktuar der Gesellschaft amtierten, kontinuierlich weitergeführt: 1998 wurde die Fondation de Félice gegründet, die zu den Mitinitianten der internationalen Tagung zur Encyclopédie d’Yverdon gehörte, die vom 7.-9. September 2001 am Forschungszentrum Europäische Aufklärung in Potsdam stattfand. Die Akten dieser Tagung erschienen 2005 als Band 7 der Reihe Travaux sur la Suisse des Lumières. Im September 2000 lud Etienne Hofmann den Vorstand der ISECS zur seiner jährlich stattfindenden Sitzung in Lausanne ein, die wie üblich von einem wissenschaftlichen Kolloquium begleitet war.

2001 wechselte das Präsidium turnusgemäss von der Romandie in die Deutschschweiz. Es wurde von Dr. Fritz Nagel, dem Leiter der Forschungsstelle Bernoulli-Edition (Basel) übernommen, der dem Vorstand der Gesellschaft seit 1991 angehörte. Während bzw. kurz nach seiner Amtszeit, in der er von Karin Althaus als Aktuarin unterstützt wurde, fanden zwei grössere Tagungen in Basel statt: die von Benno Schubiger organisierte kunsthistorische Tagung „Sammeln und Sammlungen im 18. Jahrhundert in der Schweiz“ (16.-18. Oktober 2003) sowie die internationale Fachtagung „Die Zukunft der wissenschaftlichen Editionen“ (7.-9. Dezember 2006), für die Fritz Nagel auch konzeptuell und inhaltlich verantwortlich zeichnete. Er verlieh damit nicht nur der Diskussion über zentrale Probleme wie elekronische Erschliessungs- und Editionsverfahren, finanzielle Förderung sowie Vermarktung von Editionen neue Impulse, sondern schuf auch ein Forum für die nationale und internationale Vernetzung von editorischen Projekten, welche die Gesellschaft bereits früher in kleineren Tagungen über Briefprojekte unterstützt hatte. Vom 12.-17. September 2004 führte die SGEAJ ausserdem in Zusammenarbeit mit der deutschen Schwestergesellschaft (DGEJ) das ISECS-Seminar für junge Forscher durch, wobei Fritz Nagel die lokale Organisation übernahm. Das Seminar stand unter dem Titel „Multilinguisme et multiculturalité au siècle des lumières“ und wurde von Prof. Andreas Kristol (Neuchâtel) und Prof. Hans-Jürgen Lüsebrink (Saarbrücken) geleitet.

An der Mitgliederversammlung im Jahr 2006 wurde Simone Zurbuchen, assoziierte Professorin am Interdisziplinären Institut für Ethik und Menschenrechte der Universität Fribourg, zur neuen Präsidentin gewählt. Sie wird in ihrer Tätigkeit von François Rosset (Professor für französische Literatur und Kultur an der Universität Lausanne) als Vizepräsident, Anett Lütteken (Universität Bern) als Aktuarin und Barbara Braun (Burgerbibliothek Bern) als Quästorin unterstützt.



  Schweizerische Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts, info@sgeaj.ch