CfP Fachtagung SGEAJ 2027: Die Tiere der Schweizer Aufklärung

Die nächste Fachtagung der Schweizerischen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts (SGEAJ) findet vom 15. bis 17. April 2027 an der Universität Bern zum Thema «Die Tiere der Schweizer Aufklärung: Diskurse – Repräsentationen – Interaktionen» statt. Beitragsvorschläge werden bis zum 31. Mai 2026 entgegengenommen.

In der Geschichte der Mensch-Tier-Beziehungen erscheint das 18. Jahrhundert als eine Periode der Widersprüche. Einerseits entdeckten Naturforschende, Philosophen und Schriftstellerinnen die Wahrnehmungs-, Denk- und Leidensfähigkeit von nichtmenschlichen Tieren und entwickelten daraus Ansätze einer modernen Tierethik. In den bildenden Künsten rückte die Darstellung tierlicher Individualität zusehends in den Vordergrund, ebenso wie Angehörige des Adels, Patriziats und Bürgertum in Briefen ihre emotionalen Nahbeziehungen zu Begleittieren zum Thema machten. Andererseits kam es in den Diskursen der ökonomischen Aufklärung und im Zusammenhang mit medizinischen Experimenten und Züchtungspraktiken auch eine zunehmende Objektivierung von Tieren feststellen, deren Körper als verwertbar, optimierbar und multiplizierbar galten – oder im Falle von sogenannten Raubtieren und Schädlingen als Ordnungsproblem erschienen, das bekämpft werden musste.

In dieser von der Schweizerischen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts ausgerichteten interdisziplinären Tagung möchten wir den vielfältigen Diskursen und Praktiken rund um Tiere und Mensch-Tier-Beziehungen nachgehen. Ein besonderer Fokus soll dabei auf dem Raum des Corpus Helveticum in seinen europäischen und globalen Verflechtungen liegen. Inwiefern spiegelten sich die besonderen naturräumlichen Bedingungen, die in den anthropologischen Diskursen zur Genese von Figuren wie dem homo alpinus führten, auch in Bezug auf die Repräsentationen der natürlichen Fauna der Schweiz eine Rolle? In welchen Zusammenhängen tauchen Wildtiere, Labortiere, Haustiere oder landwirtschaftliche Nutztiere in den Korrespondenzen und literarischen Werken der Schweizer Aufklärer:innen auf? Welche Rolle spielten die Praxis der Jagd, das Reiten oder exotische Tiere in einem Land ohne Hochadel und höfische Zentren? Welche Bedeutung hatte die Rinder- oder Pferdezucht für den transregionalen Handel? Und welche symbolischen Funktionen spielten die zahlreichen Begleithunde auf Porträts von Patrizier:innen oder Kühe und Ziegen auf Darstellungen des ländlichen Lebens?

Die vom 15. bis 17. April 2027 an der Universität Bern durchgeführte Tagung soll Forschende unterschiedlicher Disziplinen und Karrierestufen miteinander in Dialog bringen. Mit diesem Call for Papers suchen wir Forschende, die an der Tagung Fallstudie oder einen Überblicksbeitrag im Umfang von ca. 25 Minuten mit Bezug zum Tagungsthema präsentieren. Interessierte sind gebeten, bis zum 31. Mai 2026 ein Abstract im Umfang von circa 250 Wörtern und Kurzangaben zur Person ans Sekretariat der SGEAJ (info@sgeaj.ch) zu senden; der Entscheid über die Annahme wird zeitnah erfolgen. Für die eingeladenen Referent:innen werden die Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten nach Möglichkeit übernommen. Eine Open Access-Publikation der überarbeiteten Beiträge in der Reihe Traveaux sur la Suisse des Lumières (Slatkine) ist geplant.

Die Fachtagung wird organisiert von Prof. Dr. Valérie Kobi (Université de Neuchâtel), Prof. Dr. Hubert Steinke (Universität Bern), Prof. Dr. Nathalie Vuillemin (Université de Neuchâtel) und Prof. Dr. Nadir Weber (Universität Bern).

Abbildungsnachweis: Johann Ludwig Aberli, Niklaus Emanuel Tscharner auf seinem Gut Blumenhof bei Kehrsatz im Gespräch mit einem Landmann, 1775 (Schweizerische Nationalbibliothek, Wikimendia Commons).